Eine Gipsform / Gießform / Eindrückform für Keramik selbst herstellen

 
Wenn man eigene Keramikdesigns realisieren möchte, kann man mit einigen Schritten einfach selbst eine einteilige Gipsform für Keramik herstellen. Diese kann dann z.B. als Eindrückform oder Gießform genutzt werden. In diesem Blogbeitrag wird beschrieben, wie man hierbei vorgehen kann.

Das Modell für die Gipsform

Für die ersten Versuche empfehle ich mit einem kleinen einfachen Modell aus Ton zu beginnen, oder einen einfachen vorhandenen Gegenstand abzuformen.
So entwickelt man am besten ein Gefühl für die Materialien.
Wichtig ist dabei, dass das Modell für die Gipsform keine  Hinterschneidung aufweisen darf, da sonst eine Entnahme aus der Form nicht möglich ist.

Hinterschneidung

Ich empfehle das Modell gleich auf eine flexible Kunststoffunterlage zu stellen, z.B. eine PVC-Fußbodenmatte, oder etwas Ahnliches.
Falls später Gips auslaufen sollte, hat man beim Saubermachen erhebliche Vorteile.

Kunststoffunterlage

Wenn das Modell sehr leicht ist, sollte es auf der Unterlage festgeklebt werden, damit es nicht aufschwimmt wenn der Gips eingefüllt wird.

Modell evtl. mit Trennmittel einpinseln

Damit sich das Modell nicht mit dem Gips verbindet, muss es mit Trennmittel  bestrichen werden.Hierfür eignet sich Vaseline bzw. Trennemulsion aus dem Fachhandel.
Trennmittel ist nach meiner Erfahrung nicht unbedingt notwendig, wenn das Modell selbst aus Ton besteht.

Trennmittel

Formenrahmen bauen

Als nächstes muss ein Rahmen um das Modell gebaut werden. Hier kann man  z.B, ausgedienten Plastikverpackungen (Joghurtbecher, Eisverpackung, etc.) oder einen Rahmen aus Holz verwenden.

Man kann den Rahmen auch direkt aus Ton modellieren, allerdings muss er stabil genug sein, um dem flüssigen Gips standzuhalten.

Die fertige Gipsform sollte rund um das Modell mindestens ca. 2-3 cm dick sein um eine gute Stabilität und Saugkapazität zu erreichen. Daher sollte der Rahmen mindestens 2-3 cm Abstand rund um das Modell haben.
Außerdem sollte mit dem Lineal die minimale Einfüllhöhe am Formenrand über dem Modell markieret werden, damit die Gipsform nicht zu dünn wird.

Formenrahmen abdichten

Der Formenrahmen wird nun an allen offenen Stellen mit Ton abgedichtet, damit der Gips nach dem Einfüllen nicht herausläuft.
Das Abdichten und das Gips einfüllen sollten zeitlich nicht allzu lange auseinanderliegen, da der Ton austrocknet, schrumpft und rissig wird und somit die Dichtungswirkung mit der Zeit nachlässt.
Auch das Modell sollte gegebenenfalls am Boden abgedichtet werden, damit kein Gips darunter laufen kann.

Gipsform abdichten

Gips zum Gießen anrühren

Als nächstes kommt das Anrühren und Einfüllen des Gips in die Form.
Bisher habe ich Alabaster-Modellgips verwendet und damit gute Ergebnisse erzielt. Den gibt es z.B. im Keramik- oder Künstlerfachhandel.

Ich stelle mir vor dem Anrühren vom Gips zusätzliche Gefäße (z.B. Eimer/alte Eisdosen) bereit, um evtl. übrigen Gips ca. 3-4 cm hocheinzufüllen.
Diese Gipsplatten kann man dann z.B. zum Trocken von Keramikteilen verwenden.

Zusätzlich stelle ich noch eine kleine Schüssel mit frischem Gipspulver bereit falls nach dem Einfüllen eine Stelle undicht ist und Gips herausläuft.  Dann kann das Gipspulver zum Abdichten auf das Leck gestreut werden.

Jetzt kann der Gips nach Anleitung des Herstellers angerührt werden.
Nach dem Rühren gegebenenfalls außen an die Schüssel klopfen, damit Luftblasen aufsteigen können. Durch Pusten oder aufstechen mit einem spitzen Gegenstand kann man den Großteil der Luftblasen entfernen.

Gips für Gipsform anrühren

Gips einfüllen

Zuerst eine dünne Schicht Gips über das Modell fließen lassen und evtl. wieder etwas pusten, um vorhandene Luftblasen zu zerstören.

Danach den restlichen Gips einfüllen.

Gips einfüllen

Evtl. übriger Gips in die vorbereiteten Gefäße einfüllen.

Bitte hier die vom Hersteller angegebene Zeit beachten bis der Gips abbindet. Wenn der Gips abbindet wird die Oberfläche matt und der Gips erwärmt sich. Nun den Gips nicht stören und die Form in Ruhe lassen.
Ich lasse die Gipsreste in der Schüssel antrocknen und entsorge ihn später.

Gips oder Gipsreste sollte man niemals in das Spülbecken gießen, da der Abfluss verstopfen kann.
Falls Gipsreste im Spülbecken abgewaschen werden sollen, kann z.B. ein Gipsabscheider in das Abwassersystem eingebaut werden (Bezug im Keramikfachhandel).

Modell aus der Gipsform entnehmen und die Gipsform trocknen

Das Modell sollte erst aus der Form ausgebaut werden, wenn der Gips wirklich hart ist, da ansonsten Kanten der Form wegbrechen können.
Ich empfehle, das Modell ca. nach 2 Tagen herauszunehmen. Aber Probieren geht über Studieren.

Die Gipsform muss nun trocknen. Dies kann ca. 1-2 Wochen dauern.
Die Gesamttrocknungsdauer der Form ist abhängig von der Größe der Form, sowie dem Trocknungsort (z.B. Zimmertemperatur, Luftfeuchtigkeit).
Somit ist es schwierig, hier eine generelle Aussage zu treffen.

Gipsform reinigen

Jetzt werden noch die Trennmittelrückstände entfernt. Hierfür nehme ich Flüssigseife und wasche die Gipsform unter fließendem Wasser ab. Dazu benutze ich entweder einen weichen Schwamm oder ggf. eine weiche ausgediente Zahnbürste.

Anschließend nehme ich ein Baumwolltuch mit Spiritus und reibe die Flächen der Gipsform nochmal ab.

Wird das Trennmittel nicht entfernt, saugt die Gipsform bei der Verwendung von Gießton oder Porzellan nicht richtig und die Wandstärken werden beim Gießen nicht dick genug.

Nach dieser Reinigung unter Wasser muss die Gipsform erneut trocknen, da sie sich wieder mit Wasser vollgesaugt hat.

Viel Erfolg beim Ausprobieren.

Das ist z.B. eine Schale, die ich mit der Form weiter oben im Bild gestaltet habe.

Über Eure Erfahrungen, Fragen und weitere Anregungen freue ich mich sehr.

Alles Liebe
Steffi

 

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