Damit der Glasurbrand gelingt – Anleitung

Der Glasurbrand folgt üblicherweise nach dem Schrühbrand. Die Glasur schmilzt beim Brand und verbindet sich mit der Keramik.
Vor dem Glasurbrand sollte die glasierte Keramik gut getrocknet sein.

Handling der Keramik vor dem Glasurbrand

Beim Handling mit glasierten Teilen sollte man immer saubere Hände haben.
Zudem ist darauf zu achten, dass man die Glasur nicht beim Handling abreibt, oder Macken z.B. durch die Fingernägel reinbekommt. Dies würde man später sehen.
Ich verwende daher beim Handling meistens Gummihandschuhe.
Wenn man Teile mit unterschiedlichen Glasurfarben in den Ofen räumt sollte man sich beim Farbwechsel die Hände waschen. So vermeidet man Spuren der jeweils anderen Farbe auf den Stücken.

Schmutz und Staub

Weiterhin sollte man darauf achten, dass sich kein Staub und Schmutz auf den glasierten Stücken befindet.
Ansonsten sollte man diesen vorsichtig entfernen, soweit dies möglich ist. Ich verwende hierfür z.B. einen Fächerpinsel.
Auch die Ofenplatten sollten frei von Staub und Schmutz sein, da dieser auf die Glasur einer darunterliegenden Ebene fallen könnte und so unschöne Spuren hinterlässt.

Die Stellfläche, d.h. die Fläche mit der das keramische Objekt auf der Ofenplatte steht, bleibt im Normalfall unglasiert.

Stellfläche unglasiert

Stellfläche unglasiert

Ansonsten kann es passieren, dass die Keramik auf der Platte festklebt. Will man die Stellfläche auch glasiert haben, kann man z.B. Dreikantfüßchen verwenden. Nach meiner Erfahrung sieht man allerdings die Spuren der Füßchen, bzw. kann es auch passieren, dass diese an der Keramik festkleben und beim Entfernen Spuren am Stück hinterlassen.
Läuft die Glasur während des Glasurbrandes am Stück herunter, können die Dreifüße evtl. dafür sorgen, dass die Glasur auf den Boden der Keramik anstatt auf die Brennplatte läuft.

Brennkurve für den Glasurbrand

Die Brennkurve ist abhängig vom verwendeten Ton bzw. Porzellan und von der verwendeten Glasur. Sowohl bei der Keramik als auch bei der Glasur sind die Brennbereiche angegeben. Hier sollte man auf jeden Fall die Herstellerangaben beachten.

Zu hoch gebrannte Keramik kann sich verflüssigen bzw. Blasen aufwerfen.
Zu hoch gebrannte Glasur kann zu einem unerwünschten Farbergebnis führen oder die Glasur kann ablaufen. Ebenso kann zu niedrig gebrannte Glasur ein unerwünschtes Farbergebnis mit sich bringen.
Brennkurven zu verschiedenen Brennbereichen findet man z.B. hier von hier von Carl Jäger.
Für Botz Glasuren z.B findet man hier Brennkurven:“Gibt es eine optimale Brennkurve für Botz Flüssigglasuren?”.

Notizbuch für Brände

Um später Rückschlüsse vom Brand auf die Keramik zu ziehen, empfehle ich, jeden Brand in einem Notizbuch zu dokumentieren.
Hier gibt es meine Vorlage zum Download

Bei welcher Temperatur darf man nach dem Glasurbrand den Ofen öffnen?

Die Ofenhersteller geben an, den Ofen erst bei vollständiger Abkühlung zu öffnen.
Sie übernehmen keine Garantie, wenn der Ofen früher geöffnet wird.
Daher ist es eine persönliche Entscheidung, ob man bis dahin abwartet oder den Ofen öffnet.
Ich öffne den Zuluftschieber beim Abkühlen bei etwa 400 °C.
Bei ca. 200°C nehme ich eine Brennhilfe und öffne einen Spalt, erst ca. 10 mm und dann auf ca. 50 mm um die Abkühlungszeit etwas zu reduzieren.
Bei 100°C öffne ich den Ofen ganz und entnehme die noch heißen Teile mit Handschuhen wenn es eilt.

“Klingeln” und Glasurrisse

Nach dem Glasurbrand kann es passieren das die Keramik beginnt zu “klingeln”. Das bedeutet, dass die Glasur Risse bekommt.
Weit verbreitet ist die Meinung, dass man dann den Ofen zu früh geöffnet und nicht bis zur vollständigen Abkühlung gewartet hat.
Dennoch kann es auch nach vollständiger Abkühlung der Teile im Brennofen zum “Klingeln” kommen. Glasurrisse können sich auch nach Tagen, Wochen, oder Monaten bilden.

Es gibt Töpfer, welche das Geschirr bei ca. 200°C absichtlich aus dem Ofen holen und im Wasser abschrecken, um zu schauen ob es rissfest ist und ob Glasurrisse entstehen.
Beim Gebrauch von Keramik füllt man evtl. auch z.B. heiße Flüssigkeit ein, verwendet sie im Backofen, Spülmaschine etc. Hier arbeitet die Keramik weiter, und daher können die Risse auch erst später entstehen.

Tatsächlich gibt es eine Norm zum Abschrecken von Keramik in Wasser “Thermoschockbeständigkeit mit dem Wasserabschreckversuch”,
DIN EN 820-3:2004-11 allerdings müsste man diese käuflich erwerben und für den Hobbygebrauch ist das nicht unbedingt notwendig 😉

Wenn es “klingelt” sind Ton und Glasur meist nicht optimal aufeinander abgestimmt.
Evtl. wurde auch die Glasur zu dick aufgetragen, bzw. ist zu dick angerührt.
Es kann auch helfen, die Glasur innerhalb des zulässigen Brennbereichs nochmal etwas höher zu brennen (hier aber immer die Maximaltemperaturen von Ton und Glasur beachten) damit sie besser “ausschmilzt”.
Hier muss man einfach testen, probieren und testen…. bis man das gewünschte Ergebnis erhält.

Kann man nochmal Überglasieren, wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist?

Gerade bei aufwändigen Stücken kann die Enttäuschung groß sein, wenn das Ergebnis nach dem Glasurbrand nicht den Erwartungen entspricht.
Prinzipiell geht ein zweites Glasieren z.B. mit fertigen Streichglasuren relativ problemlos. Fehler wie z.B. Nadelstiche kann man beispielsweise nachtupfen und nochmal brennen. Auch zu dünn aufgetragene Glasur lässt sich nachbessern durch einen erneuten Auftrag. Wie gleichmäßig man das hinbekommt, kann man schon vor dem Glasurbrand abschätzen. Damit die Glasur besser haftet, sollte die Keramik vorher erwärmt werden. Auf der Seite von Botz wird hierfür z.B. ein Temperaturbereich zwischen 60°C-100°C angegeben.

Ich hoffe der Artikel bringt euch weiter.
Über Eure Kommentare, Fragen und weitere Anregungen freue ich mich sehr.

Alles Liebe
Steffi

Quellen:

https://www.anleitung-zum-toepfern.de – Brand von Töpferarbeiten
Firma Botz, www.botz-glasuren.de, “Gibt es eine optimale Brennkurve für Botz Flüssigglasuren?” – https://www.botz-glasuren.de/service/faq-glossar/
http://www.clarelewispottery.com – Loading and firing an electric kiln
http://www.londonclayartcentre.org – LOADING THE KILN – BISQUE FIRING
https://www.kilnsitterversand.de – Ofen einräumen
https://www.schule.at – Schruehbrand_und_Glasurbrand.pdf
https://carl-jaeger.de – Ofenplatten und Hinweise zum Brennen
Dipl.-Ing. Robert Pulz: Dissertation:Laserthermoschockversuche -Durchführung und Auswertung
für unterschiedliche Hochleistungskeramiken

2 Comments

  • Naanie

    Reply Reply 13. November 2018

    Vielen Dank. Hab wieder was gelernt. Bin gerade am Töpfern ausprobieren und ganz begeistert.

    • Steffi Guentner

      Reply Reply 21. November 2018

      Das freut mich sehr. Ich wünsche Dir viel Erfolg – man kommt nur ganz schwer wieder davon los, wenn man mal Feuer gefangen hat 🙂

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