Anleitung für einen richtig guten Schrühbrand

Als Schrühbrand, Biskuitbrand oder Vorbrand wird der erste Brand der Keramik bezeichnet.
Das ungebrannte Tonprodukt wird auch Grünware genannt. Es ist sehr fragil und zerbrechlich.
Nach dem Schrühbrand ist der Ton für eine Weiterverarbeitung stabiler. Außerdem löst sich der Ton nicht mehr im Wasser auf.

Wird bei ca. 950°C geschrüht, sind die meisten Gase aus dem Ton entwichen. Das ist von Vorteil für den späteren Glasurbrand. Wenn der Ton nicht mehr ausgast, entstehen weniger oder keine Glasurfehler.
Die geschrühte Keramik ist porös und wasseraufnahmefähig. Das ist beim Glasieren wichtig.

Volumenänderungen beim Schrühbrand

Bis ca. 600-700°C nimmt das Volumen der Keramik üblicherweise bis zu ca. 1% zu.
Anschließend werden die Teile durch die Schwindung kleiner.
Manche Hersteller geben die Schwindung in Abhängigkeit der Temperatur an.
Bei Tonen schwankt die Schwindung ungefähr um die 10%.
Bei Porzellanen kann die Schwindung noch deutlich höher sein.
Ich hatte schon welches im Einsatz mit ca. 16%.
Durch diese Volumenänderungen bewegen sich die Teile im Ofen. Dadürch können Risse oder Verzug entstehen.

Vermeidung von Rissen, Verzug oder anderen Schäden

Das Brenngut sollte möglichst trocken sein. Das erkennt man z.B. an der Farbe oder durch Fühlen.
Hält man ein Teil beispielsweise an die Wange und es fühlt sich kalt an, ist es vermutlich noch feucht.
Falls das Brenngut noch feucht ist, sollte man mit dem Brand noch warten.
Gegebenenfalls kann man mit dem Brennofen auch ein Trockenprogramm durchführen.

Grünware ist sehr fragil. Daher sollte man aufpassen, dass man nirgends anstößt.
Schon ein kleiner Stoß kann einen Schaden verursachen, welcher erst nach dem Brennen sichtbar wird.
Am besten ist man beim Handling sehr vorsichtig und unterstützt die Grünware möglichst mit beiden Händen.

Beim Schrühbrand dürfen sich die Teile berühren, da sie nicht zusammenkleben.
Leichte Teile darf man in oder auf schwerere stellen.
Flache Teile kann man aufeinander legen. Das Größte unten, das Kleinste oben.
Die Deckel von Gefäßen sollte man beim Schrühbrand immer auf die passenden Töpfen/Schüsseln/etc. legen.
Beim Stapeln sollte die Gewichtsverteilung immer relativ gleichmäßig sein.

Außerdem sollte man beim Stapeln, etc. beachten, dass Tone mit unterschiedlichen Farben, Spuren der jeweils andere Farbe hinterlassen können. Daher empfehle ich gleiche Farben zu stapeln.

Das Brenngut wird beim Schrühbrand insgesamt kleiner. Daher sollte man aufpassen, dass die Teile nach dem Brand noch auseinander genommen werden können.
Außerdem sollte sich die Keramik beim Brand im Ofen frei bewegen können ohne zu verkanten.
Große Stücke kann man daher auf Sand oder einer Tonplatte aus gleichem Material stellen. Das gilt auch für Porzellan aufgrund der großen Schwindung.
Dadurch können sie sich besser bewegen und sind unempfindlicher gegen Verzug.

Brennkurven beim Schrühbrand

Ich heizte normalerweise mit 80-100°C bis 650°C auf. Bei 650°C geht es dann weiter mit 130°C-150°C auf 950°C. Die Haltezeit beträgt 20-30 Minuten.

Eine super Übersicht zu verschiedenen Brennkurven findet man z.B. hier von Carl Jäger.
Zunächst ist ein langsames Aufheizen wichtig. Der Ton enthält noch kristallin gebundenes Wasser. Dieses kann so langsam entweichen.
Durch das langsame Aufheizen beim Schrühbrand wird die Temperaturdifferenz im Teil gering gehalten. Dadurch ist die Keramik einem geringeren Druck ausgesetzt.
Bei ca. 600°C findet der Quarzsprung statt. Die Struktur des im Ton vorkommenden Quarzanteils verändert sich. Dies ist mit einer sprunghaften Volumenvergrößerung verbunden.

Wenn man den Zuluftschieber bis ca. 600-700°C offen lässt, kann man die Lebensdauer der Heizwendel erhöhen.

Am besten hält man die Eckdaten von jedem Brand in einem Notizbuch fest. So kann man später evtl. Unterschiede analysieren und neue Erkenntnisse gewinnen.
Hier gibt es meine Vorlage zum Download

Wann kann man den Ofen öffnen

Die Ofenhersteller geben an, den Ofen erst bei vollständiger Abkühlung zu öffnen.
Sie übernehmen keine Garantie, wenn der Ofen früher geöffnet wird.
Daher ist es eine persönliche Entscheidung, ob man bis dahin abwartet oder den Ofen öffnet.
Ich öffne den Zuluftschieber beim Abkühlen bei etwa 400 °C.
Bei ca. 200°C nehme ich eine Brennhilfe und öffne einen Spalt, erst ca. 10 mm und dann auf ca. 50 mm.
Bei 100°C öffne ich den Ofen ganz und entnehme die noch heißen Teile mit Handschuhen wenn es eilt bzw. die Ungeduld nicht abwarten kann :-).

Die Schrühware sollte man jetzt nicht mit fettigen Händen (auch Hautfett) anfassen. Ansonsten haftet später die Glasur evtl. nicht.

Allgemeine Hinweise, zum richtigen Beladen bzw. Einräumen des Brennofens findest Du in diesem Blogartikel

Ich hoffe der Artikel bringt euch in eurem keramischen Schaffen weiter.
Über Eure Kommentare, Fragen und weitere Anregungen freue ich mich sehr.

Alles Liebe
Steffi

Quellen:
http://www.portal4more.com – Keramik Begriffe
https://www.anleitung-zum-toepfern.de – Brand von Töpferarbeiten
Die physikalischen und chemischen Grundlagen der Keramik, Hermann Salmang, 3 Auflage, Springer Verlag
Firma Botz, www.botz-glasuren.de, Wie hoch soll der Schrühbrand sein – https://www.botz-glasuren.de/service/faq-glossar/
http://www.clarelewispottery.com – Loading and firing an electric kiln
http://www.londonclayartcentre.org – LOADING THE KILN – BISQUE FIRING
https://www.schule.at – Schruehbrand_und_Glasurbrand.pdf
https://carl-jaeger.de – Hinweise zum Brennen
https://www.kilnsitterversand.de – Ofen einräumen

2 Comments

  • schneehuhn

    Reply Reply 27. Juli 2018

    Ohhh, heute kommt mein Brennofen. Ich bin schon echt aufgeregt. Ich habe gar keine Erfahrung damit und musste mich intensiv belesen. Vielen Dank für diesen Beitrag. Je mehr Input ich bekomme, um so besser.

    • Steffi Guentner

      Reply Reply 13. Oktober 2018

      Dankeschön für Deine lobenden Worte 🙂 Hoffe sehr, das Dein Brand gut gelaufen ist. Bei meinem ersten Brand war ich auch total aufgeregt und konnte es kaum erwarten den Ofen aufzumachen. Es ist immer wieder spannend die Ergebnisse zu sehen. Alles Liebe Deine Steffi

Leave A Response

*

* Denotes Required Field